Es war perfekt

 

Langsam wanderte er über die Wiese. Hier war er schon oft und er fand es hier immer soooo schööön. Doch er war hier nie allein, seine Angebetete war immer mit dabei und gemeinsam haben sie diese Wiese gefunden. Mitten im Wald lag sie und hier wuchsen Pflanzen die er so nirgends bisher gesehen hatte. Heute war alles anders, er sah nicht die schönen Blumen und Gräser die er einst so bewundert hat, er hoffte hier noch einmal Sie zu sehen. Doch sie war nicht hier und Tränen rannen seinen Wangen hinunter. Seine Gedanken waren bei Ihr.

Wo war Sie?

Er erinnerte sich daran wie er sie das erste mal traf. Er war noch ein kleiner Bub und sie ein kleines Mädel. Sie lebten in einem kleinen Dorf, im Gebirge, am Rande eines Waldes. Er spielte gern mit ihr und als er in die Pubertät kam, sah er auf einmal nicht mehr seine Spielgefährtin sondern eine kleine Lady. Er versuchte sie zu beeindrucken, doch sie war 2 Jahre jünger wie er und interessierte sich noch nicht für Jungs. Sie war doch erst 12 Jahre. Sie machte sich lustig über seine Annäherungsversuche. Später wurde ihr bewusst das er seit Jahren versuchte sie zu erobern. Ihr gefiel es und so wurden sie ein Paar. Gemeinsam suchten sie die Zweisamkeit und bei der Suche danach, fanden sie nur 1 h entfernt die kleine LIchtung mit der so malerischen Wiese. Von da an gingen sie regelmäßig hierher und verbrachten Stunden gemeinsam. Ein Schmetterling fliegt empor. Er schaut ihn nach und denkt sich : “Bist du es Liebste?”  Er setzt sich hin und schaut sich um, alles erinnert ihn an seine Liebste. Morgen wäre die Hochzeit gewesen, alles war geplant und vorbereitet. Hat er den Gästen abgesagt ? Werden Sie zur Beerdigung kommen ? Er weint und kann die Tränen nicht aufhalten. Wie konnte das nur passieren? Sie war doch immer so vorsichtig, wenn sie ausritt. Doch neulich … . Die Erinnerung zerreißt sein Herz. Sie waren mit den Pferden ausgeritten. Entlang den kleinen Pfad hinunter ins Tal. Sie wollten noch einige Sachen erledigen. Einige Tage vorher hatte es heftig geregnet, die Erde war aufgeweicht. Sie kannten solche Hindernisse. Sie stiegen vom Pferd um die eine Engstelle vor den Pferden her zu laufen. Sicher ist sicher und man kann die Engstelle besser einschätzen und bringt sich nicht zu leicht in Gefahr. Ein Schritt vor dem nächsten. Er ging voraus. Führte das Pferd sicher durch und der Weg hielt ohne nachzugeben. Sie ging voraus, das Pferd hinter sich, es verlor den halt, rutsche fast ab, wollte sich noch mit den Vorderhufen retten. Sie hielt es fest und zog, er versuchte zu helfen und dann passierte es. Das Pferd konnte sich nicht halten, stürzte in die Tiefe und riss sie mit. Er schrie, er fluchte, er rief ihren Namen. Er stieg vorsichtig ihr nach, es war nicht tief, aber zu tief um unbeschadet unten anzukommen. Nur 10 vielleicht 12 Meter. Das Pferd sah er als erstes, es lebte, konnte aber nicht aufstehen. Wo ist sie ? Er suchte und fand sie einige Meter neben dem Pferd. Er wußte sofort das sie tot war, als er sie da liegen sah. Sie muß mit dem Kopf auf den Steinen aufgeschlagen sein. Er ging zu ihr, nahm den leblosen Körper in den Arm und weinte. Was soll er nur tun?

Er war wie im Trance und kletterte den Hang hinauf. Er nahm sein Pferd führte es den Weg zurück und ritt dann so schnell wie er nur konnte ins Dorf zurück. Er schrie schon aus der Ferne um hilfe. Die Leute kamen auf die Straße und schauten was los ist. Er schrie um Hilfe und einige nahmen ihre Pferde und ritten ihm nach, nachdem er erklärte was passiert sei. Sie bargen seine Liebste, behutsam legten sie sie auf die Bare und behutsam wurde sie den Hang hinaufgezogen. Sie lag da, als schliefe sie. Sie wurde ins Dorf gebracht und in der Kirche aufgebahrt. Die Mutter und die Oma der Liebsten wuschen sie und zogen ihr das beste Kleid das sie hatte an. Sie machten die Haare zurecht. Danach verabschiedeten sie sich und der Vater und der Opa übernahmen die Totenwache. Er würde mit dem Bruder die Totenwache abhalten.

Als seine Wache vorbei war lief er zu der Wiese.

Ein letztes mal wollte er ihr Nahe sein und die schönen Erinnerungen an sie bewahren.



2019

 

 

 

 

 

© Yvette Klaus-Thiede